Ökologisch bauen & wohnen

„Bio“ ist ein Attribut, das in der Regel mit Nahrungsmitteln in Verbindung gebracht wird. Doch der Bio-bewusste Hausbau ist mindestens so alt wie der schadstofffreie Anbau von Lebensmitteln.

Massivhaus - bio

Ein grünes massives Zuhause ©iStock.com/dimdimich

Ziel des ökologischen Hausbaus ist die Verwendung natürlicher Substanzen. Der Verzicht auf synthetische Baustoffe soll ein gesundes Wohnklima gewährleisten und das Gewissen des Bauherren beruhigen. In vielen Fällen ist dies auch gerechtfertigt. Gerade in Puncto Wärmedämmung ist der Einsatz biologisch unbedenklicher Baustoffe eine echte Investition in die Zukunft.

Der Grundstein: ein energieeffizientes Massivhaus

Heutzutage wird beim Bau moderner Massivhäuser vor allem auf die Energieeffizienz geachtet. Da greifen konventionelle Bauunternehmen bei der Isolierung gemauerter oder betonierter Massivhäuser gern` zur Dezimeter dicken Hartschaumverkleidung für die Außenwand. Das Einkoffern von Alt- und Neubauten mit Hartschaum und Rauputz hat jedoch Schattenseiten. Beidseitige Schimmelbildung, gesichtslose Häuser und eine erhöhte Brandgefahr sind Folgen, die dem konventionellen Hausbau einhergehen. Und so günstig viele heute auch bauen – die Massen an Hartschaum, der in 30 Jahren zu entsorgen sein wird, werden gewaltig sein.

Energie- und Umweltbewusstsein eine Idee weiter

Es geht auch umweltbewusster … und dazu muss es nicht gleich das Fachwerkhaus mit Lehm- und Strohfüllung sein. Auch ein traditionell errichtetes Massivhaus kann in großen Teilen „ökologisch“ sein. Ein Massivhaus der Viebrockhaus AG wird zu diesem Zweck, laut dem Bauunternehmen, von einem unabhängigen Umweltinstitut überprüft und zertifiziert – punktuell, versteht sich.

Doch auch andere Bauunternehmen sind bemüht, dem Wusch des modernen Kunden nach Umweltbewusstsein nachzukommen. Die Firma esendo interpretiert hierfür das klassische Massivhaus neu: ein Lehmhaus mit Massivholzkern. Die Basis des esendo-Hauses bilden massive Tafelbauelemente aus unbehandeltem Holz.

Massivhäuser biologisch dämmen

Ökologisch bauen – Dämmung

Material für ökologische Dämmung
©iStock.com/paisan191

Im Dämmbereich gibt es bereits zahlreiche Ansätze für biologisches Bauen, auch für den Bau eines Massivhauses. Besonders umweltfreundlich soll hier das Verbundsystem von Brillux sein. Das Wärmedämm-Konzept „Ecotop“ wurde eigens mit dem „Blauen Engel“ ausgezeichnet – einem deutschen Umweltzeichen, das seit 1978 an besonders umweltschonende Produkte und Dienstleistungen vergeben wird.

Ein Massivhaus im Außenbereich biologisch zu dämmen, funktioniert aber auch mit einfacheren Methoden. Allerdings sind Sachverstand und handwerkliches Können gefragt. Ob Kokosfasermatte oder Hanfplatte, ein biologischer Dämmstoff muss gut gegen Feuchtigkeit isoliert werden. In den meisten Fällen geht dies nur durch eine aufwändig zu installierende zweite Schale.

Ein Klinker-Vormauerwerk oder eine Verschieferung sorgen bei Stroh, Kokos oder Hanf für die notwendige Trockenheit. Auch wenn man beim Neubau daran mit Sicherheit als Letztes denken möchte: Spätestens beim Abriss des Hauses zahlt sich die Investition in ökologische Materialien wieder aus. Denn anders als beim Hartschaum müssen biologische Baustoffe nicht aufwändig entsorgt werden.

Hanffasern: ein Wolf im Schafspelz

Hanf gehört zu den ältesten und wertvollsten Kulturpflanzen Europas und erlebt im Baugewerbe eine erneute Hochphase. Die Fasern der Hanfpflanze lassen sich als Wärme- und Schalldämmung für Fassaden, Dächer und Geschossdecken klassischer Massivhäuser verwenden. Sie können in Form von Matten, gepressten Platten oder als Stopfwolle erworben werden. Für Feuerfestigkeit sorgt die Behandlung mit Borsalz, einem Holzschutzmittel gegen Pilz- und Insektenbefall.

Hanffasern können bis zu 17 Prozent ihres Eigengewichts als Feuchtigkeit aufnehmen, ohne Dämmleistung einzubüßen. Der biologische Dämmstoff besitzt eine hohe Wärmeleitfähigkeit, hat dadurch im Vergleich zu konventionellen Materialien eine geringere Dämmwirkung und muss entsprechend dicker aufgetragen werden.

Nicht ganz unwichtig: Je nach Produktionsart kann das natürliche Material mit Polyesterfasern versetzt sein – dadurch ist der Dämmstoff später nicht mehr biologisch abbaubar.

Kork-Dämmung

KorkDie Einsatzmöglichkeiten der Rinde einer Korkeiche (Quercus suber) reichen vom einfachen Flaschenverschluss bis zum Thermoschild in der Raumfahrt. Der immergrüne Laubbaum kann während seines Lebens rund 100 bis 200 Kilogramm Kork liefern… Mehr zur Kork Dämmung

Kokosfaser-Dämmung

KokosnussLeicht, elastisch und bruchfest. Die exotische Faser, hergestellt aus der Fruchthülle der Kokosnuss, wird zu Vliesen und flexiblen Matten unterschiedlicher Dicke verarbeitet. Überwiegend bei der Innendämmung eingesetzt, kann sie auch Außenwände dämmen… Mehr zur Kokosdämmung

Hürden beim Bau ökologischer Massivhäuser

Bei den meisten Bauwerkstoffen besteht ein Gegensatz zwischen Wärmedämmfähigkeit und statischer Stabilität. Das bedeutet: Je dichter ein Baustoff ist, desto mehr Last kann er tragen – desto schlechter sind aber auch seine wärmedämmenden Eigenschaften. Umgekehrt ist es genauso: Leicht und porös dämmt gut, trägt aber nicht. Massivholz ist dabei die einzige Ausnahme. Das macht den Einsatz von Massivholz zum idealen Baustoff für platzeffizientes und schnelles Bauen. Man hat aber nichts gewonnen, wenn das Bauholz vorher massiv im Flammschutzmittel getränkt wurde. Holz ist nur dann Bio, wenn es auch aus zertifizierten Quellen stammt.

Biologische Innenräume

Im Innenbereich lässt sich ebenfalls sehr viel durch den Einsatz von biologischen Materialien erreichen. Lehmputze und offenporige Wandfarben sind ideale Regulatoren für ein ausgeglichenes Wohnklima. Auch Korkböden fühlen sich nicht nur gut an. Sie vermeiden Feuchteinseln und sorgen durch den ständigen Wechsel zwischen Absorption und Diffusion für eine konstante Luftfeuchtigkeit im Innenraum. Frei von Konservierungsstoffen, Phenolen, Flammschutzmitteln und Fungiziden sind natürliche Baustoffe im Innenraum auch ideal für Allergiker.

Biologisch zu bauen ist mit Sicherheit bei der Planung und beim Bau teurer als die Verwendung von industriell hergestellten Baustoffen. Auch erfordern biologische Baustoffe eine höhere Aufmerksamkeit beim Witterungsschutz. Ein Haus jedoch stets das Heim von jemandem, der sich gesund, sicher und wohl fühlen soll. Das Plus an Lebensqualität ist ein starkes Argument für den Einsatz von biologischen Baustoffen beim Bau vom Massivhaus.

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