Mal angenommen, Sie haben ein Küken vor dem sicheren Tod gerettet, z.B. aus der Massentierhaltung, und wollen es zu Hause aufziehen. Nur eine romantische Idee, oder ist das wirklich realisierbar? Und ist so etwas überhaupt erlaubt? Wie „wohnt“ ein Küken? Was isst es? Und was hat es für Hobbies? Hier erfahren Sie, was Sie bei der Kükenaufzucht daheim zu beachten haben.

Die Grundlagen für Kükenaufzucht daheim

Vorab: Melden Sie das Küken unbedingt beim Veterinäramt. Das Tierseuchengesetz schreibt eine Meldepflicht für Geflügel vor. Zuwiderhandlungen können empfindliche Geldbußen nach sich ziehen. Und suchen Sie einen Tierarzt auf, um zu klären, gegen welche Krankheiten das Küken geimpft werden muss.

Ein Küken wächst unter normalen Umständen natürlich wohlbehütet unter den Fittichen seiner Mutter auf. Die Glucke hat es ausgebrütet und zeigt dem kleinen Schnabeltier, wie das Leben funktioniert. Die Rolle der Glucke übernehmen Sie bei der Handaufzucht.

Was benötigt ein Küken?

  • In erster Linie braucht das Küken eine Wärmequelle, denn nach dem Schlüpfen ist es noch recht nackt und friert dementsprechend schnell.
  • Ein behagliches kleines Zuhause dient dem Wohlergehen des Kükens.
  • Auch das richtige Kükenfutter inklusive Wasser sollte immer reichlich vorhanden sein.
  • Und natürlich will so ein Küken bemuttert werden. Es heißt also Kümmern, Kümmern, Kümmern.

Warm soll es sein

Die Wärmequelle kann eine Wärmelampe oder eine Wärmeplatte sein. Wenn Sie sich für eine Wärmelampe entscheiden, sollten Sie diese mit einem Schutzkorb ausrüsten, damit sich das Küken nicht verbrennt, wenn es der Lampe zu nahe kommt. Die Temperatur der Wärmelampe sollte In der ersten Lebenswoche um die 32 bis 35 Grad betragen, mit jeder weiteren Lebenswoche senken Sie die Temperatur um zwei bis drei Grad, bis Zimmertemperatur erreicht ist und das Küken diese Wärmequelle nicht mehr benötigt. Ob es dem Küken zu warm oder zu kalt ist, werden Sie schon merken: Ist es ihm zu heiß, wird es sich von der Wärmelampe so weit wie möglich entfernen, ist es ihm zu kalt, steht es unter der Lampe und quiekt.

Wenn Sie sich für die Wärmeplatte entscheiden, hat das Küken den Vorteil, dass es nachts bei Dunkelheit schlafen kann und sich damit gleich an einen normalen Tag/Nacht-Rhythmus gewöhnt. Allerdings ist es natürlich auch nachts nicht zu beobachten. Nach sechs bis acht Wochen hat sich das Gefieder des Kleinen voll entwickelt und kommt ohne Wärmequelle aus.

Was ist das richtige Kükenfutter?

Versorgen Sie Ihr Küken immer mit frischem, sauberem Wasser; Sauberkeit ist wichtig, denn das kleine Wesen ist noch sehr empfindlich und erkrankt dementsprechend schnell. Gerade wenn Sie einen Tränkenwärmer einsetzten, wechseln Sie das Wasser mehrmals täglich – warmes Wasser ist anfälliger dafür, von Keimen befallen zu werden. Übrigens: Wenn das Küken nicht trinkt, sollten Sie den Schnabel sanft ins Wasser drücken, damit es das Trinken lernt.

Das richtige Kükenfutter ist keine Hexerei: Im Tierhandel gibt es sogenanntes pelletiertes Kükenstarterfutter. Wenn Sie die Kükenaufzucht als Selbstversorger bestreiten wollen, gibt es viel, was dem kleinen Racker schmeckt: aufgeweichtes Brot, Haferflocken, hartgekochte Eier (!), Grünzeug wie frische Brennnesseln oder Löwenzahn, Gemüse wie Möhren, Salat und sogar Zwiebeln – Abwechslung kann nie schaden. Damit das Futter nicht überall in der Streu herumliegt, wenn das Küken aus dem Futternapf pickt, bieten sich alternativ Futterautomaten für Geflügelfutter an. Ein Schälchen Sand mit Muschelgrit zur Optimierung der Verdauung sollte ebenfalls immer bereitstehen.

Küken im Karton (c) istockphoto.com/Terryfic3D

Küken im Karton (c) istockphoto.com/Terryfic3D

Hühnerhaltung im Käfig?

Für die Kükenaufzucht muss man sich nicht unbedingt mit einem Hightech-Stall in Unkosten stürzen. Ein gewöhnlicher Hamsterkäfig oder Meerschweinchenkäfig tut es auch, notfalls auch eine Kiste oder ein stabiler Karton. Die Einrichtung besteht aus Einstreu (Stroh und Sand), der Wärmequelle, den Futterutensilien und ein wenig „Unterhaltungsprogramm“ (z.B. Bauklötze, Pappe zum Zerreißen, eine Stange zum Draufsitzen etc.). Achten Sie darauf, dass

  • Wasser und Futter nicht in der Nähe der Wärmequelle platziert sind, da die Küken dort urinieren und koten, wo es warm ist.
  • das Küken keine Zugluft bekommt.
  • die Hygiene stimmt: Karton oder Käfig ständig reinigen, für frisches Einstreu sorgen, Wasser wechseln.

Für die Kükenaufzucht daheim

  • Küken sollen sich viel bewegen; ab der dritten oder vierten Lebenswoche können Sie Ihr Küken auch schon mal beaufsichtigt im Garten spielen lassen.
  • Wenn Sie das Küken oder Jungtier später unbeaufsichtigt in den Garten lassen: Achten Sie darauf, dass der Zaun hoch genug ist. Ein klassischer Weidezaun ist weniger zu empfehlen: Nicht nur, dass das Huhn auf einmal türmt, auch Nachbars Hund kann durchaus Geschmack an jungem Geflügel finden.
  • Ein kleiner Teich im Garten ist von Vorteil, wenn das Gefieder mal gewaschen werden will.
  • In Gesellschaft lebt es sich besser, wenn Sie Ihrem Küken etwas Gutes tun wollen, besorgen Sie ihm den einen oder anderen Spielkameraden dazu. In einer Brüterei kann man z.B. Eintagsküken kaufen, die ansonsten dem Tode geweiht wären.
  • Zubehör wie Futterautomaten, Stülptränke, Tränkenwärmer, Wärmeplatte etc. für die Kükenaufzucht finden Sie z.B. hier.

Die Kükenaufzucht sollte nach acht Wochen abgeschlossen sein. Danach wird das Tier als Jungtier bezeichnet und ist aus dem gröbsten heraus. Das junge Huhn kann jetzt selbstständig leben und braucht nicht mehr allzu viel Bemutterung.